das war
07/08 ...


dienstag 24. juni 2008
zusammen ist man weniger allein

Claude Berri

zusammen

ZUSAMMEN IST MAN WENIGER ALLEIN (nach dem internationalen bestsellerroman von ANNA GAVALDA) erzählt hinreißend vergnüglich und ebenso temperament- wie liebevoll von vier höchst unterschiedlichen charakteren, die das leben in einer pariser wohnung zusammenführt. in einem turbulenten, mal aufreibenden, mal fröhlichen prozess lernen die vier, aufeinander zuzugehen und füreinander da zu sein – und entdecken so, dass es zusammen viel leichter ist, träume wahr werden zu lassen.
mit dem französischen star audrey tautou („die fabelhafte welt der amélie“)

Frankreich 2007, 97 min, DF




dienstag 13. mai 2008
mein blühendes geheimnis


Pedro Almodóvar






Leo (Marisa Paredes) lebt erfolgreich und unzufrieden, schreibt unter Pseudonym Schundromane, bis ihre Realität es verbietet, und vermißt ihren Ehemann (Imanol Arias), einen Kotzbrocken, der sich unschlagbar integer durch seinen Einsatz für die NATO-Friedenstruppen in Bosnien ihrer Zuneigung entzieht. Derweil begeistert sich der Chefredakteur der Kulturbeilage von »El Pais« (Juan Echanove) für Leo und verschafft ihr die Gelegenheit, einen Verriß ihres eigenen Trivialschinkens zu schreiben. Lügen, Larven und Demaskierungen nicht nur der erwähnten Figuren werden unabwendbar.
Mein blühendes Geheimnis findet eine eigentümliche Balance von Überdrehtheit und Melancholie.

Männer, die behaupten, die Frauen verstehen zu können, leiden entweder an gnadenloser Selbstüberschätzung oder heißen Pedro Almodóvar und machen einfach wunderbare Filme. Der Spanier ist ein Frauenversteher, niemand zeichnet so intensive Porträts wie er und schafft es dabei, in farbenfrohen, stimmungsvollen Bildern die Balance zwischen melodramatischer Überzeichnung der Gefühle und den banalen Absurditäten des Alltags zu halten.

Spanien/Frankreich 1995, 105 min, DF
Originaltitel: La flor de mi secreto - Regie: Pedro Almodóvar
Buch: Pedro Almodóvar
Kamera: Alfonso Beato
Schnitt: Jose Salcedo
Musik: Alberto Iglesias
Darsteller: Marisa Paredes, Juan Echanove, Imanol Arias, Carmen Elias, Rossy de Palma, Chus Lampreave, Joaquin Cortes, Manuela Vargas u.a.


 


dienstag 15. april 2008
GOOD BYE LENIN !


Wolfgang Becker

Tragigkomödie, BRD 2003, 118 min

In der Tragikomödie über die deutsche Wiedervereinigung lässt ein junger Mann die DDR Monate nach dem Fall der Berliner Mauer wieder auferstehen - auf 79 Quadratmeter Plattenbauwohnung. Als im Herbst 1989 die Selbstauflösung der DDR im vollen Gang ist, erleidet Mutter Kerner (Katrin Saß) einen Herzinfarkt und fällt in ein monatelanges Koma. Sie erwacht erst im Sommer 1990 - den Siegeszug des Kapitalismus hat sie einfach verschlafen. Aus Angst vor einem neuen Herzinfarkt verheimlicht ihr Sohn Alex (Daniel Brühl) ihr den Fall der Mauer. Mit viel Fantasie, Überredungskunst und der Hilfe seines Freundes Rainer gelingt es ihm, der Mutter weiterhin den sozialistischen Alltag vorzugaukeln. Selbst ihr Wunsch nach Fernsehen lässt sich dank Rainers Videoschnittkünsten erfüllen. Aber die rasche Genesung von Frau Kerner zwingt Alex zu immer Atem beraubenderen Kapriolen.

GOOD BYE, LENIN! ist eine im wahrsten Sinne des Wortes deutsche Komödie, wie man sie noch nie gesehen hat. Gleichzeitig rasend komisch, hinreißend grotesk und unendlich bewegend, erzählt Wolfgang Becker auf ebenso eigenwillige wie unwiderstehliche Art eine andere Geschichte der gesamtdeutschen Historie - und lässt dabei nicht nur eine Nation, sondern vor allem eine Ostberliner Familie zusammenwachsen.




freitag 14. märz 2008
baghdad fragment


special event
in kooperation mit mölkerei

film & lesung
von und mit
Susanne Ayoub

Wiedersehen mit einer Erinnerung
Filmessay 42min


Susanne Ayoub erzählt von fünf Tage einer Delegationsreise und von vierzig Jahren einer Familie, von Liebe, Trennung und Tod. Das Filmprojekt „Geboren in Baghdad“, das sie 2002 begann, scheiterte. Das Filmmaterial, ohne Drehgenehmigung und unter großen Schwierigkeiten gedreht, blieb Fragment.

Der Irak, den sie 2002 besuchte, ist nun ebenso verschwunden wie das Land ihrer Kindheit. Mit vier Jahren Abstand entstand daraus ein Film, der das Fragmentarische, das Unmögliche ihres Unterfangens, zum Thema hat.



dienstag 26. februar 2008
balzac und die kleine chinesische schneiderin

Kurz nach der Kulturrevolution werden die beiden Schüler Ma und Luo zur Umerziehung in ein kleines Dorf aufs Land geschickt. Dort lernen die beiden die Enkelin des Schneiders kennen und lieben. Luo findet heraus, dass die kleine Schneiderin verrückt nach Geschichten ist - aber woher soll er immer neue Geschichten nehmen? Im Koffer eines Verbannten finden Ma und Luo zahlreiche verbotene ausländische Bücher. Die Lektüre von Balzac, Flaubert oder Gogol wird das Leben der beiden und das der kleinen Schneiderin für immer verändern. Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Dai Sijie spielt vor einer phantastischen chinesischen Landschaftskulisse. Die poetische und bewegende Dreiecksgeschichte, die ihren großen Nachhall aus der Frage zieht, welche Rolle Literatur für unser Leben spielt, ist ein weiser Film über die Liebe und die Literatur.

info: wikipedia

Frankreich 2002, 116 min, DF



 


dienstag 29. jänner 2008
good night and good luck

1953 in den USA. Der einflussreiche Senator Joseph McCarthy inszeniert eine landesweite Hexenjagd gegen vermeintliche Kommunisten und Andersdenkende, klagt Unschuldige in Schauprozessen an und zerstört ganze Existenzen. Auch im Newsroom von CBS ist die Angst angekommen. Doch schließlich erhebt der respektierte Fernsehmoderator Edward R. Murrow (David Strathairn) seine Stimme. Unter dem Motto "Fakten statt Mutmaßungen" berichtet er in seiner Sendung "See it Now" über einen Piloten, der ohne triftigen Grund aus der Luftwaffe ausgeschlossen wurde. Schnell bringt Murrow die Armee, aber auch Werbekunden und seine Chefs gegen sich auf. Doch er und seine Mitstreiter, angeführt von dem Produzenten Fred Friendly (George Clooney) und dem Reporter Joe Wershba (Robert Downey Jr.), bleiben standhaft. In der nächsten Sendung nehmen sie McCarthy selbst ins Visier. Der holt schnell zum Gegenschlag aus.

USA 2005, 93 Minuten




 


dienstag 27. november 2007
aus der zeit

In Europa verschwinden immer mehr alte Geschäfte, die in einer modernen Shopping-Kultur, in der Geiz als geil verkauft wird, keinen Platz haben. Aus der Zeit handelt von vier solchen Geschäften und den Menschen, die sie betreiben. Von der Beziehung zu alten Gemäuern, von Erinnerungen und Sehnsüchten, von Einsamkeit, Liebe und Verzweiflung.

Aus der Zeit zeigt die Menschen in ihren eigenen „Rollen”, in ihrem Umgang mit Räumen und Dingen, den Kundschaften, mit sich selbst und miteinander. Die Kamera verfährt wie eine stille Beobachterin, die dem Treiben im Laden, dem Stillstand, den Selbstgesprächen und Dialogen zusieht und zuhört. Jeder Kunde, jede Kundin ist etwas ganz Besonderes und wird auch so behandelt.

Vier Läden, vier Schicksale. Lederwaren Jentsch gibt es seit 1874. In der Werkstatt, die seit Jahrzehnten nicht aufgeräumt wurde, reparieren August und Katharina Jentsch Jacken und Taschen. Während der Arbeit führen sie tiefe Gespräche über Details des Materials, über die Geschichte des Geschäfts, das Vergehen der Zeit in ihrem „Raumschiff”, über das Weitermachen trotz geringer Einkünfte. Manche der Bilder und Szenen wirken wie Gemälde von Carl Spitzweg.

Stollwerk, Spanisch Leder, Schwefelschwamm … Peppi Kienesberger (85) spaziert einsam in seiner Drogerie (gegründet 1928) umher und führt Selbstgespräche. Er kommentiert das Sortiment, die Lehrzeit bei der jüdischen Familie, Arisierung und Krieg. Dann wieder träumt er von den goldenen Jahren. Da kaum Kundschaft kommt, wirkt er meist wie ein Wächter einer längst vergangenen Zeit.

Die Vorstadt–Fleischerei Fritz (gegründet 1904) ist nicht nur als Nahversorger, sondern auch als Sozialraum wichtig. Viele Kundschaften sind mit Gertrude und Werner Fritz seit Jahrzehnten bekannt, die Umgangsformen entsprechend persönlich. Doch für die langen Arbeitstage fühlt sich das Paar langsam zu alt und Nachfolger gibt es nicht.

Der Knopfkönig (gegründet 1844) ist eines der schönsten Geschäfte Wiens. Doch die Inhaberin Fee Frimmel hat ein eher bitteres Verhältnis dazu. Die Branche läuft schon lange schlecht, auch privat hat ihr das Leben übel mitgespielt. Sie ärgert sich über Kundschaften und beklagt ihr Schicksal. Aber schließlich wird sie doch noch erlöst.

Aus der Zeit – ein intimer Film über Erinnerungen und Prägungen, über das Festhalten und Loslassen.


Kamera: Bernhard Pötscher
Zusätzliche Aufnahmen: Jerzy Palacz
Musik: Gerald Schuller
Schnitt: Bernhard Pötscher
Buch & Regie: Harald Friedl

Dokumentarfilm, 80 Minuten, A 2006.


Nach dem Film:
Gespräch mit Herrn Harald Friedl !!!



 


dienstag 23. oktober 2007
cyclo

Cyclo Ein poetischer Thriller im wilden Rhythmus der fernöstlichen Metropole Saigon. Ein Rikschafahrer gerät - nachdem ihm die Fahrradrikscha gestohlen wird - in die Schuld der Besitzerin der Rikschaflotte. Die Chefin übergibt ihn in die Obhut des Poeten ein Zuhälter und ihr heimlicher Liebhaber. Dieser sperrt den CYCLO in einer Wohnung ein und lässt ihn dann und wann raus, um kriminelle Taten zu begehen. Langsam aber sicher findet der CYCLO Gefallen am Leben eines Gangsters, dem leicht und schnell verdienten Geld. Doch was ihm verborgen bleibt - auch für seine ältere jungfräuliche Schwester scheint das geregelte Leben zwischen Schule und Herd Vergangenheit. Längst ist sie dem Poeten verfallen und verkauft sich ihm zuliebe an seine perverse Klientel.




Frankreich/Vietnam 1995, 124 min.

Regie: Tran Amj Hungs
Musik: Radiohead, Henry Rollins
mit: Tony Leung Chiu-Wai, Le Van Loc,
Tran Nu Yen Khe, u.a.

Deutsche Fassung

 


CYCLO war der beste Beitrag des Wettbewerbs und der einzig große Film des Festivals überhaupt. Vergeßt doch mal die Amerikaner! Geht statt dessen in diesen besseren, spannenderen, geheimnisvolleren Film - so wie er in Hollywood in den Dreißigern und Vierzigern möglich gewesen wäre.
Die Zeit

"Mit welchem Furor CYCLO die Pforten eines visionären Kinos aufreißt!"
Der Spiegel

GOLDENER LÖWE Venedig 1995

PREIS DER INTERNATIONALEN FILMKRITIK Venedig 1995