das war 11/12 ...


Montag, 25. Juni 2012
19:30 Uhr
Stadttheater Mödling

François Ozon
DAS SCHMUCKSTÜCK
Gerard Depardieu und Catherine Deneuve
Frankreich 2010, 103 Minuten , deutsche Fassung

Madame Suzanne, Gattin des Regenschirmfabrikanten Pujol, fühlt sich vernachlässigt. Sie vergleicht sich mit einer "Potiche", einer Porzellanvase, die keinerlei Funktion hat und nur hübsch anzuschauen ist. Auch Pujol sieht in Suzanne lediglich ein dekoratives Schmuckstück.
Viel lieber vergnügt er sich mit seiner Geliebten oder im Nachtclub, beutet die Arbeiter in seiner Fabrik nach Kräften aus und fühlt sich ganz wie ein Grandseigneur. Doch das Spiel hat ein jähes Ende, als Pujol einen Herzanfall erleidet. Suzanne übernimmt kurzerhand die Leitung der Fabrik, verordnet Wohlstand für alle und verbündet sich mit dem örtlichen Abgeordneten der kommunistischen Partei, Monsieur Babin. Und schon bricht die künstlich errichtete, wunderschöne Fassade zusammen.
Zwar entpuppt sich Suzanne als die bessere Chefin, doch was Suzanne und ihr Sohn aus der Firma machen, darf nicht sein.
"François Ozon knüpft an die furiose Leichtigkeit von 'Acht Frauen' an.
Nur dass es hier um eine einzige Frau geht: Catherine Deneuve spielt die achtlos ausrangierte Gattin eines Kotzbrocken von Regenschirmfabrikanten, die sich in den späten siebziger Jahren zur spätberufenen Amazone wandelt. Unterstützt wird die Deneuve dabei von einem famosen Ensemble, mit höchst ansteckendem Vergnügen. DAS SCHMUCKSTÜCK hat alles, was eine gute Komödie braucht: Tempo, Dialogwitz, Überraschungen und jede Menge Lust an dramaturgischer Übertreibung, in der auch ungemütlichere Wahrheiten erst richtig aufblitzen." (Der Tagesspiegel)



Mittwoch, 2. Mai 2012
19:30 Uhr
Stadttheater Mödling

Shirin Neshat und Shoja Azari
WOMEN WITHOUT MEN
A/D/F 2009, 95 Minuten , dF

Ein verwunschener Garten vor den Toren Teherans. Hier treffen sich vier Frauen, deren Leben nicht unterschiedlicher sein könnte – die kunstliebende Fakhri (Arita Shahrzad), die junge Prostituierte Zarin (Orsi Tóth), die politische Aktivistin Munis (Shabnam Tolouei) und deren Freundin Faezeh (PegahFerydoni). Das Chaos, das nach einem Militärputsch in den Straßen Teherans herrscht, hat sie an diesem Ort zufällig zusammengeführt. Und die Flucht vor dem eigenen Schicksal. In einem verborgenen Landhaus inmitten des
paradiesisch anmutenden Gartens erleben diese vier Frauen für einen kurzen Moment das, wonach sich jede von ihnen sehnt, und wofür jede von ihnen kämpft: Lebensfreude, Freiheit und das Gefühl von Glück.
WOMEN WITHOUT MEN ist der erste Spielfilm der international renommierten Video-Künstlerin Shirin Neshat. Im September vergangenen Jahres erhielt sie hierfür beim 66. Internationalen Filmfestival von Venedig den Silbernen Löwen für die Beste Regie und den Preis der Unicef.
Basierend auf dem gleichnamigen Roman der iranischen Schriftstellerin Sharnush Parsipur entwirft Shirin Neshat in WOMEN WITHOUT MEN in so prächtigen wie prägnanten Bildern eine magisch-phantastische Welt.
Dass WOMEN WITHOUT MEN jedoch so wahrhaftig und aktuell werden sollte, wie es die letzten Monate im Iran gezeigt haben, konnte Shirin Neshat nicht ahnen, als sie 2003 mit ihrem Filmprojekt begann.
"Dieser Film hat mich zutiefst berührt." Ang Lee - Jurypräsident der 66. Mostra di Venezia
"Bilder von bestechender Schönheit" FAZ



Montag, 2. April 2012
19:30 Uhr
Stadttheater Mödling

Caroline Bottaro
DIE SCHACHSPIELERIN
Frankreich/Deutschland 2009, 97 Minuten, deutsche Fassung

In einem kleinen idyllischen Dorf auf Korsika besteht das Leben der stillen Hélène (Sandrine Bonnaire) aus einer Reihe von sich ähnelnden Tagen. Sie arbeitet als Zimmermädchen in einem Hotel und wirkt mit ihrer Ehe, ihrem Mann und ihrer fünfzehnjährigen Tochter Lisa glücklich. Ihr bescheidenes Leben scheint vielleicht etwas monoton, aber es verläuft in geordneten Bahnen von vermeintlicher Zufriedenheit. Alles ändert sich, als sie beim Putzen ein junges verführerisches Paar beobachtet, das auf einer der Hotelterrassen Schach spielt. Hélène fühlt sich sofort von diesem geheimnisvollen Spiel angezogen, hinter dem sich für sie eine aufregende Welt verbirgt. Ihr Mann hält gar nichts davon, ihm ist die neue Passion seiner Frau eher peinlich, und will sie wieder davon abbringen. Im Dorf tuschelt man bereits über sie. Doch Hélène beschäftigt sich heimlich weiter damit und findet in dem kauzigen Dr. Kröger (Kevin Kline), dessen Haushalt sie in Ordnung hält, einen Mentor und Freund. Nach anfänglichem Zögern unterstützt er sogar ihre Idee, an Turnieren teilnehmen zu wollen. Für sie beginnt ein Abenteuer mit unabsehbaren Folgen. Denn mit ihrer Leidenschaft für das Spiel riskiert sie bald ihre Ehe und ihren guten Ruf. Ihr ganzes bisheriges Leben gerät aus den Fugen.
Ein Zimmermädchen bricht durch die Entdeckung ihrer Leidenschaft für das Schachspiel aus der Enge ihres monotonen Familienlebens aus und findet sich selber: Dieses originelle Thema und seine sensible Sprache machten den Roman "Die Schachspielerin" der deutschen, in Frankreich lebenden Autorin Bertina Henrichs vor einigen Jahren zum Beststeller und Kritikererfolg. Die junge deutsch-italienische Regisseurin Caroline Bottaro hat diese Geschichte für ihre Verfilmung von einer griechischen Insel in die überwältigende Kulisse Korsikas verlegt und die Hauptrolle der Hélène mit der überzeugenden Darstellerin Sandrine Bonnaire besetzt.



Dienstag, 6. März 2012
19:30 Uhr
Stadttheater Mödling

Jean Becker
DAS LABYRINTH DER WÖRTER
Frankreich 2010, 82 Minuten, deutsche Fassung

In einem Park treffen Germain (Gérard Depardieu) und Margueritte (Gisèle Casadesus) zufällig aufeinander. Die leidenschaftliche Leserin und den praktischen Analphabeten trennen 40 Jahre und ca. 100 Kilo, doch als Margueritte dem Gelegenheitsarbeiter Passagen aus einem Roman vorliest, eröffnet sie ihm die Magie der Bücher, von der Germain sich immer ausgeschlossen fühlte. Aber Margueritte verliert immer mehr ihr Augenlicht, und aus tief empfundener Freundschaft zu dieser charmanten, verschmitzten und aufmerksamen alten Dame, übt Germain Lesen und zeigt ihr, dass er in der Lage sein wird, ihr vorzulesen, wenn sie selbst es nicht mehr kann.
Mit wunderbar feinem Sprachgefühl erzählt der Film davon, dass es nie zu spät ist, Neues zu lernen und glücklich zu sein. Wie schon in "Dialog mit meinem Gärtner" und "Ein Sommer auf dem Land" beschwört Becker mit meisterhafter, auf den Punkt gebrachter Leichtigkeit sein Thema: die Menschlichkeit, den Realismus des Landlebens, den Charme und die Kultiviertheit des Herzens der sogenannten "Kleinen Leute".
"Gérard Depardieu wagt sich als unbedarfter Literat ins LABYRINTH DER WÖRTER und entdeckt dadurch unverhoffte Schönheiten des Lebens." (critic.de)
"Der Analphabet und die Greisin: DAS LABYRINTH DER WÖRTER zeigt eine ganz und gar ungewöhnliche Romanze." (Der Tagesspiegel).



Dienstag, 20. Dezember 2011
19:30 Uhr
Stadttheater Mödling

Teresa de Pelegri, Dominic Harari
ALLES WAS ICH AN EUCH LIEBE
Spanien/Argentinien/Portugal/Großbritannien 2004, 89 Minuten

Leni Dalinsky und ihr Verlobter Rafi sehen aufgeregt dem ersten Zusammentreffen Rafis mit Lenis Familie entgegen. Ein an sich harmloses Unterfangen, wäre da nicht der erwähnenswerte Umstand, dass Leni Jüdin und Rafi Palästinenser ist. Es nützt alles nichts, die Wahrheit muss auf den Tisch, und das geplante harmonische Essen im Familienkreis nimmt schnell alptraumhafte Züge an. Nicht zuletzt, weil sich die Dalinskys als Individuen mit ausgeprägtem Hang zur Exzentrik entpuppen. Bruder David durchläuft gerade eine intensive Phase der Bekehrung zum orthodoxen Judentum, auch die nymphomanisch veranlagte Schwester Tania wohnt mit Tochter Paula noch im Haus der Eltern. Mutter Gloria hingegen, die neurotische Beschützerin der Familie, pflegt ihr Selbstbild als Märtyrerin. Vollends außer Kontrolle gerät das Familienfest jedoch, als Rafi einen Block mit tiefgefrorener Suppe aus dem Fenster des Hochhauses fallen lässt - und damit auch noch einen Passanten trifft. Erst spät entpuppt sich das Suppenopfer als das bislang noch fehlende Familienoberhaupt Ernesto, und der Versuch von Leni und Rafi, den Vorfall zu vertuschen, ist der Beginn einer langen Kette von höchst amüsanten Verstrickungen.
Eine politisch völlig unkorrekte, aber äußerst vergnügliche Burleske um ein ernstes Thema und zugleich eine erfrischende Komödie über kulturelle Differenzen und das Menschliche und allzu Menschliche im täglichen Zusammenleben. Publikumsliebling in Locarno 2004.



Dienstag, 22. November 2011
19:30 Uhr
Stadttheater Mödling

Stefan Ruzowitzky
DIE SIEBTELBAUERN
Österreich 1997, 90 Minuten

Ein Dorf im Mühlviertel in der Zwischenkriegszeit: Sieben Mägde und Knechte erben den Hof ihres erschlagenen Herren. Dergleichen gab es noch nie! Während die "Siebtelbauern" lernen, frei und selbstverantwortlich zu leben, wächst die Feindseligkeit der alteingesessenen Bauernschaft gegen die jungen, herrenlosen Dienstleute und deren Anführer Lukas und Emmy. Die Auseinandersetzung eskaliert in Gewalt, Zerstörung und Lynchjustiz.
"Stefan Ruzowitzkys moderner Heimatfilm war zuletzt einer der Höhepunkte der Grazer 'Diagonale' - durchaus gewagt läßt der junge Regisseur

('Tempo') eine rurale Geschichte von sieben Knechten, denen der Bauer in einer klassenfeindlichen Aktion seinen Hof vermacht, von den Schauspielern heftig, nicht naturalistisch spielen - ein mutiges Crossover." (Der Standard)


Montag, 24. Oktober 2011
19:30 Uhr
Stadttheater Mödling

Filippos Tsitos
KLEINE WUNDER IN ATHEN
Griechenland/Deutschland 2009, 103 Minuten

Stavros betreibt einen kleinen Laden in einer mehr als ruhigen Straße von Athen. Das heißt eigentlich besteht seine Tätigkeit daraus, morgens einen Tisch mit vier Stühlen vor den Laden zustellen, um zusammen mit seinen drei Freunden dem Tag beim Verstreichen zuzusehen. Mit gespieltem Interesse nehmen sie das emsige Treiben der Chinesen zur Kenntnis, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Lokal umbauen oder empören sich, weshalb ausgerechnet in ihrer kleinen Straße ein Denkmal für die „Interkulturelle Solidarität“ gebaut werden soll.
Doch als eines Tages ein Mann namens Marenglen (was die Zusammenziehung von „Marx, Engels, Lenin“ ist) auftaucht und Stavros‘ betagte und demente Mutter in ihm ihren lang verlorenen Sohn wiederzuerkennen glaubt, gerät Stavros Leben aus dem Gleichgewicht…

KLEINE WUNDER IN ATHEN ist eine wundervoll warmherzige Komödie um einen alternden Kioskbesitzer, der seine Identität verliert und dafür einen Bruder gewinnt. Ein Meisterwerk des skurrilen Humors und ganz nebenbei eine ausgesprochen gelungene Einführung in die griechische Ökonomie.